Verkehrspolitik à la Baden-Württemberg

Stuttgart 21 soll ja nun gebaut werden. Offizielle Kostenschätzung 2007 rund 4,8 Milliarden Euro: 2.800.000.000 Euro für den Tunnelbahnhof in Stuttgart, 2.000.000.000 Euro für die Neubaustrecke Stuttgart-Ulm. Neuste Gutachten gehen davon aus, dass diese Zahlen wieder einmal schön gerechnet sind und nicht ausreichen werden, mindestens das Doppelte scheint realistisch, die Landesregierung gibt inzwischen Preissteigerungen zu, die die 5 Milliarden-Grenze sprengen. Aber was sind schon 5 Milliarden Euro?

Zum Vergleich:

Die Gäubahn Stuttgart-Singen-Schaffhausen(-Zürich) ist seit dem Zweiten Weltkrieg auf weiten Abschnitten nur eingleisig und müsste dringend saniert und wieder zweigleisig ausgebaut werden. Dafür kämpft die Region vor Ort seit langem. Bis 2012 soll es Verbesserungen und eine Beschleunigung des ICE-Verkehrs geben. Für einen durchgehenden zweigleisigen Ausbau und eine Modernisierung der Strecke fehlt das Geld. Zugesagt hat der Bund bisher nur 10 Mio. Euro (!) für das zweite Gleis bei Horb. Allein für die Beschleunigung zwischen Singen und Horb sind aber 50 Mio. Euro Baukosten kalkuliert…

Die Rheintalbahn von Karlsruhe über Offenburg nach Basel stellt für die Schweiz die wichtigste Zulaufstrecke für den geplanten Gotthard-Basistunnel und den Schienengüterverkehr dar. Es gibt Vereinbarungen zum viergleisigen Ausbau der Strecke bis 2018, an der Finanzierung auf deutscher Seite beteiligt sich sogar die Schweiz – freiwillig! Doch nach derzeitiger Verteilung der Finanzmittel und bei Beibehaltung des Bautempos wird die Strecke erst 2025 fertig – frühestens…

Die Südbahn Ulm-Friedrichshafen(-Lindau) ist zwar zweigleisig ausgebaut, aber nicht elektrifiziert. Seit Jahren gibt es Diskussionen, die Strecke endlich zu elektrifizieren und zu modernisieren, schon wegen ihrer möglichen Funktion als Zulaufstrecke zu den neuen Schweizer Alpentunneln. Es passiert jedoch nichts – kein Geld…

Die Frankenbahn Würzburg-Heilbronn(-Stuttgart) ist vor allem hinsichtlich der Streckentechnik in einem beklagenswerten Zustand. Zwar ist die Linie weitgehend zweigleisig und elektrifiziert, es gibt jedoch eine eingleisige Lücke, die den Betrieb teilweise behindert. Dieser Lückenschluss sowie eine Anpassung der Strecke für Tempo 140 würde rund 28 Mio. Euro kosten. Anfang 2008 soll nun ein weiteres Gutachten Aufschluss darüber geben, ob sich ein Streckenausbau wirklich lohnt. Das Brisante: Das 200.000-Euro teure Gutachten wird nun von der Stadt Heilbronn und den betroffenen Landkreisen finanziert, weil Land Baden-Württemberg und DB Netz sich weigern, hier irgendetwas zu tun…

Die Krebsbachtalbahn Neckarbischofsheim – Hüffenhardt (Eigentümer Infrastruktur Südwestdeutsche Verkehrs-Aktiengesellschaft SWEG, eine 100prozentige Tochter des Landes Baden-Württemberg) wird im Rahmen des Ausbaus der S-Bahn Rhein-Neckar noch 2008 endgültig stillgelegt. Die Infrastruktur ist veraltet, für einen Weiterbetrieb gibt es kein Konzept, angeblich weder Fahrgäste noch Güterkunden und vom Land auch kein Geld…

Beim Ausbau der Bahnstrecke von Ulm nach Augsburg herrscht Stillstand – das berichtet am 13.6.2008 die Augsburger Allgemeine. Bund, DB und Land Bayern sind sich einig: Aus dem Projekt – der Region immer wieder als Ausgleich für die Abkopplung von der ICE-Neubaustrecke München-Ingolstadt-Nürnberg versprochen – wird vorerst nichts. Kein Geld. Aktuelle Planungen mit verlässlichen Kostenansätzen gebe es für Ulm-Augsburg nicht, frühere „Grobplanungen“ seien „nicht mehr seriös“…

Fortsetzung folgt…

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