An die MandatsträgerInnen der Region Heilbronn-Franken

Sehr geehrte Damen und Herren!

Wie Sie aus Ihrem persönlichen Engagement sicher wissen, werden der Region Heilbronn-Franken von diversen Ministern aus Stuttgart seit Jahren Verbesserungen im SPNV-Angebot auf der Frankenbahn versprochen. Zuletzt hieß es immer wieder, spätestens im Jahr 2016 werde es nach Auslaufen des derzeitigen überteuerten Monopolvertrages des Landes BaWü mit der Deutschen Bahn (DB) Verbesserungen beim Fahrplantakt und vor allem beim Wagenmaterial und Kundenservice geben. Mehrfach wurde dies im Zusammenhang mit der angeblich bevorstehenden europaweiten Ausschreibung des SPNVs auf der Strecke Stuttgart-Heilbronn-Würzburg genannt, zum Beispiel von Innenminister Heribert Rech im Sommer 2008.
(Eine solche Ausschreibung hat übrigens weder etwas mit dem Ausbau der Infrastruktur zwischen Heilbronn und Würzburg noch mit dem Bau oder der Fertigstellung des Stuttgarter Tunnelbahnhofes zu tun. Etwaige notwendige Übergangslösungen wegen Veränderungen in der Bahn-Infrastruktur werden in der Regel vertraglich mit dem jeweiligen Betreiber geregelt.)
Das verantwortliche Umwelt- und Verkehrsministerium BaWü hat jüngst ein paar Informationen zu künftigen Ausschreibungsprojekten bekannt gegeben.
In diesem Zusammenhang wurde zudem bekannt, dass der Betrieb zahlreicher finanziell lukrativer Bahnstrecken im Lande per Direktvergabe (anstelle einer Vergabe im Wettbewerb) erfolgen soll. Hierbei ist zu erwarten, dass der künftige Betreiber kein anderer als der jetzige sein wird. Durch die Direktvergabe wird gerade der Vorteil des Wettbewerbs, dass der für den Fahrgast und Steuerzahler günstigste Betreiber mit dem besten Konzept den Zuschlag erhält, ausgehebelt. Es ist zu befürchten, dass weiterhin zu weit überteuerten Kosten der Betrieb von der DB organisiert werden soll, darunter auch der SPNV auf der Frankenbahn.
Während in Baden-Württemberg auch auf stark nachgefragten Verbindungen der Steuerzahler über 8 EUR pro Zugkilometer aufzuwenden hat, konnten z.B. Bayern und Rheinland-Pfalz durch konsequente Ausschreibungen das SPNV-Angebot enorm ausweiten und gleichzeitig die Kosten senken. So wird für die Strecke München-Passau ein Zuschuss von nur noch 0,75 EUR pro Zugkilometer genannt. Damit konnten dort trotz Mittelstreichungen seitens des Bundes die Leistungen sogar noch ausgeweitet werden, während in Baden-Württemberg Leistungskürzungen aufgrund fehlender Finanzen notwendig wurden. Bei einer konsequenten Ausschreibung der SPNV-Leistungen auf der Frankenbahn wäre sicherlich zu den heutigen Kosten der seit Jahren angepeilte Stundentakt problemlos umsetzbar.
Somit ist die Vorgehensweise des Landes, wichtige Verbindungen mittels Direktvergabe in die Hände eines Betreibermonopols zu geben, weder für den Steuerzahler noch den Fahrgast die beste Lösung.
Aus diesem Anlass wäre der Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) sehr dankbar, wenn Sie folgende Fragen beantworten könnten:

– Haben Sie persönlich Kenntnis bezgl. der neuerlichen Direktvergabe von SPNV-Leistungen auf der Frankenbahn an die DB über das Jahr 2016 hinaus?
– Haben Sie persönlich Kenntnis von der Art etwaiger Verträge hinsichtlich der Angebotsqualität auf der Frankenbahn nach 2016?
– Werden also auch nach 2016 noch die altersschwachen, nicht barrierefreien Züge der DB zwischen Stuttgart und Würzburg im Einsatz sein?
– Wie bewerten Sie persönlich diese Vorgänge?
– Wie bewerten Sie den Umstand, dass die Öffentlichkeit über solche Verträge, die einem einzigen Unternehmen Aufträge in Millionenhöhe sichern, von Stuttgart aus nicht informiert wird?
– Ist Ihnen bekannt, dass inzwischen mehrere deutsche Gerichte das Instrument der Direktvergabe im SPNV als illegal ansehen und der Bundesgerichtshof darüber entscheiden will?
– Was tun Sie persönlich dafür, damit es auf der wichtigen Bahnverbindung Stuttgart-Heilbronn-Würzburg endlich zeitnah eine europaweite Ausschreibung um SPNV-Leistungen mit modernen Zügen und einem zeitgemäßen Komfort und Kundenservice gibt?

Wir möchten Sie zudem darüber informieren, dass der VCD die undurchsichtigen Vorgänge über die Vergabe von SPNV-Leistungen in Baden-Württemberg und die einseitige Begünstigung der Deutschen Bahn mit Millionenbeträgen sehr kritisch sieht und bereits an die Europäische Kommission geschrieben hat, damit diese gegebenenfalls ein Verfahren wegen unerlaubter Beihilfen einleiten wird.

Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD)

Reaktionen auf diese Anfrage finden sich im Kommentar zu diesem Artikel

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2 Gedanken zu „An die MandatsträgerInnen der Region Heilbronn-Franken

  1. MdL Dr. Bernhard Lasotta (CDU) schreibt:

    Sehr geehrter Herr Schwager,

    vielen Dank für Ihre Anfrage. Grundsätzlich unterstütze ich die Vorgehensweise des Umwelt- und Verkehrsministeriums, einzelne Streckenverbindung bei der Neuausschreibung/Neuvergabe vorzuziehen. Unsere Strecke – die Frankenbahn – wird in dem Paket Würzburg – Heilbronn – Stuttgart – Ulm – Bodensee enthalten sein. Insofern können – sowohl was die Vertaktung als auch das Wagenmaterial betrifft – deutliche Verbesserungen schon vor 2016 (ab Fahrplanwechsel Dez. 2013 und 2014) erzielt werden. Zudem haben sich das Land Baden-Württemberg, der Freistaat Bayern, die Kommunen und die Bahn auf ein Finanzierungskonzept geeinigt, was notwendige Investitionen an den Bahnhöfen und der Strecke inklusive des Weichenbereichs in Würzburg vorsieht. Über die Neuvergabe/Neuausschreibung der verschiedenen Strecken, sowohl was die zeitlichen Dimensionen als auch die Inhalte betrifft, habe ich eine Anfrage an das Ministerium gestellt. Da diese noch nicht beantwortet ist, kann ich Ihnen erst nach der Beantwortung hierzu Aussagen machen. Mit allen Maßnahmen, die jetzt beschlossen wurden, werden die Bürger aber eine wesentlich bessere Ausstattung auf den relevanten Strecken von Heilbronn Richtung Würzburg und Richtung Stuttgart bekommen, zumal das Land bereit ist, mehr Kilometer zu bestellen und sich an Investitionskosten zu beteiligen. Die Neuvergabe der Leistungen ermöglicht zudem, Verbesserungen bei der Vertaktung und dem Wagenmaterial festzulegen. Insbesondere durch die neue Streckenführung durch Stuttgart durch das Projekt Baden-Württemberg 21 ergeben sich zukünftig ganz neue Möglichkeiten der Streckenführungen nicht mehr sternförmig auf Stuttgart zu, sondern quer durch das Land (wie die Strecke Würzburg – Bodensee). Diese sind wirtschaftlicher darstellbar und die Verbesserungen können den Fahrgästen der Bahn weitergegeben werden.

    Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

    Mit freundlichen Grüßen

    Bernhard Lasotta

  2. Achim Brötel, Landrat im Neckar-Odenwlad-Kreis schreibt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    Ihren öffentlichen Brief habe ich (zwar nicht direkt, aber über Umwege) dankend erhalten. Dass ich mich erst jetzt melden kann, bitte ich zu entschuldigen. Leider war eine schnellere Reaktion wegen vielfacher anderer Dinge nicht möglich.

    Wie Sie wissen, bemüht sich der Neckar-Odenwald-Kreis schon seit langem um signifikante Verbesserungen auf der Frankenbahn-Strecke. Uns geht es dabei ausdrücklich nicht nur um den Fernverkehr, sondern auch um den Nahverkehr. Dabei sind wir nicht zuletzt dank der Initiative des Kollegen Piepenburg und des speziell zur Frankenbahn eingerichteten „Runden Tisches“ inzwischen erfreulicherweise aber doch ein großes Stück vorangekommen.

    Ich halte es allerdings nicht für zielführend, einzelne Fragen coram publico mit öffentlichen Briefen und entsprechenden „Frage-/Antwort-Spielen“ zu erörtern, sondern will auch weiterhin daran festhalten, dass die unmittelbar Verantwortlichen unsere direkten Ansprechpartner sind und bleiben. Insofern bitte ich Sie um Verständnis dafür, dass ich von einer separaten Beantwortung Ihrer einzelnen Fragen absehen will. An meinem persönlichen Einsatz und dem klaren Votum des Neckar-Odenwald-Kreises für die Frankenbahn-Strecke ändert das aber selbstverständlich nichts.

    Mit freundlichen Grüßen

    Ihr
    Achim Brötel

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