Weiterhin Zugausfälle und Verspätungen: VCD-Aktion für pünktliche Züge geht weiter

VCD-Aktion Pünktliche Züge

VCD-Aktion Pünktliche Züge

Weiterhin kommt es auf den Nahverkehrsstrecken rund um Stuttgart zu Verspätungen und Zugausfällen. Nach Berichten von Fahrgästen hat sich die Situation auch auf der Frankenbahn seit Oktober 2016 nicht wesentlich verbessert. „In der vergangenen Woche war die Situation wieder verheerend“, sagt Matthias Pflüger, der täglich von Besigheim nach Stuttgart fährt, in der Stuttgarter Zeitung. Auch andere Pendler berichten von mehreren Zugausfällen hintereinander.
Noch bis zum 31. Januar 2017 können Bahnkunden zumindest auf den Strecken Stuttgart – Karlsruhe und Stuttgart – Aalen mit ihrem Nahverkehrsticket auch die IC/EC-Züge der Deutschen Bahn (DB) nutzen. Dies haben die DB und das Ministerium für Verkehr jetzt bekannt gegeben. Auf der Frankenbahn ist dies jedoch nicht möglich, da es hier keinen Fernverkehr gibt. Der VCD Baden-Württemberg begrüßt die Regelung im Interesse der Fahrgäste, weist aber darauf hin, dass die Störungen und Zugausfälle nunmehr bereits seit Oktober andauern und eine signifikante Besserung nicht in Sicht ist. Daher lasse die Fortsetzung dieses Angebots der DB Regio um eine weitere Woche – wohl auch bei den betroffenen Fahrgästen – nichts Gutes ahnen. „Wir sind bei den zu beklagenden Zugausfällen immer noch auf einem Niveau, das wir nicht akzeptieren können“, bestätigt Prof. Uwe Lahl, Amtschef des Verkehrsministeriums. „Besonders jetzt, bei dem aktuell strengen Winter, müssen sich Kunden auf ihre Zugverbindungen verlassen können. Wir drängen in unserer wöchentlichen Sitzung weiterhin auf Lösungen der DB Regio, die die Nahverkehrszüge endlich wieder pünktlich und verlässlich machen.“ Der VCD führt deshalb seine Unterschriftensammlung für pünktliche Züge und die Einführung einer Entschädigungsregelung für Pendler fort. Mit ihrer Unterschrift können die Fahrgäste im Land zudem ihren Unmut darüber zum Ausdruck bringen, dass die weiterhin chaotischen Zustände im Regionalverkehr nicht hinnehmbar sind. Hier können alle Betroffenen und UnterstützerInnen online unterschreiben. Weitere Infos zur VCD-Aktion samt Unterschriftenlisten zum Herunterladen und selber sammeln gibt es auf der VCD-Webseite.

UPDATE: Auch der Obersulmer SPD-Landtagsabgeordnete Reinhold Gall hat das Verkehrsministerium wegen der Zustände auf der Frankenbahn kritisiert. Ständig beschwerten sich genervte Pendler in seinem Büro, so Gall in einer Pressemittteilung. Das Verkehrsministerium habe bereits Anfang Dezember versprochen, die Probleme durch eine „Taskforce“ zu lösen. Eine spürbare Verbesserung sei aber nicht zu erkennen. Die ständigen Zugausfälle und -verspätungen auf der Frankenbahn bezeichnete Gall als völlig unzumutbar.

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Westfrankenbahn fährt weiter bis Ende 2031 – keine Innovationen in Sicht

Westfrankenbahn Desiro Weinsberg

Desiro der Westfrankenbahn in Weinsberg ©SCRITTI

Die DB RegioNetz Verkehrs GmbH, die Muttergesellschaft der Westfrankenbahn, hat nach Angaben des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg jetzt den rechtskräftigen Zuschlag für den Betrieb des SPNV-Netzes 11 „Hohenlohe-Franken-Untermain“ erhalten. Ab Ende 2019 soll der Stundentakt zwischen Heilbronn und Schwäbisch hall kommen. Dies werden dann die letzten von der DB erbrachten SPNV-Leistungen in der Region Heilbronn sein. Der VCD kritisiert den weiteren Einsatz von gebrauchten Dieselfahrzeugen unter elektrischer Oberleitung.
Einsprüche von unterlegenen Bietern innerhalb der Einspruchsfrist seien nicht eingegangen, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung. Das SPNV-Netz 11 umfasst die Strecken:
Aschaffenburg Hbf – Miltenberg – Wertheim – Lauda – Crailsheim; Crailsheim – Schwäbisch Hall-Hessental – Öhringen Hbf – Heilbronn Hbf (Hohenlohebahn); Miltenberg – Walldürn – Seckach (Einzelleistungen bis Osterburken). Einzelne Züge werden auch auf der Frankenbahn zwischen Osterburken und Lauda und von Würzburg Hbf über Lauda nach Bad Mergentheim unterwegs sein.
BaWü SPNV-Netz 11

BaWü SPNV-Netz 11

Es sollen modernisierte Gebrauchtfahrzeuge vom Typ Siemens Desiro (BR 642) fahren wie sie die DB bereits seit 1999 im Einsatz hat und die zeitweise auch auf der Hohenlohebahn verkehrten. Die Fahrzeuge sollen ein Redesign unter anderem mit Klimaanlage und kostenfreiem WLAN erhalten. Der Verkehrsvertrag läuft über 12 Jahre und endet im Dezember 2031. Die Fahrzeuge werden dann bereits gut 30 Jahre „auf dem Buckel“ haben. Der Leistungsumfang beträgt voraussichtlich rund 3,4 Millionen Zugkilometer pro Jahr, davon rund 1,11 Millionen Zugkilometer pro Jahr in Bayern. Der bisherige Preis von 11,70 Euro pro Zugkilometer wird nach Angaben von Landesverkehrsminister Winfried Hermann lediglich um einen Euro auf 10,70 Euro sinken. Das ist erstaunlich wenig im Vergleich zu den Stuttgarter Netzen, wo sich der Preis durch die SPNV-Ausschreibungen mit Neufahrzeugen auf rund 6 Euro nahezu halbiert hat. Daher wird auf den baden-württembergischen Streckenabschnitten im Netz 11 das Verkehrsangebot gegenüber heute auch nur um etwa 10 Prozent ausgeweitet. Wichtigste Neuerung sind künftig wochentags tagsüber der durchgehende Stundentakt zwischen Wertheim und Crailsheim sowie auf der Hohenlohebahn zwischen Heilbronn und Schwäbisch Hall–Hessental, wo der schnelle RegionalExpress bislang nur zweistündlich verkehrt.
Bimodaler FLIRT UK für East-Anglia

Bimodale FLIRT-Triebwagen von Stadler könnten von Crailsheim bis ins Zabergäu fahren

Der ökologische Verkehrsclub Deutschland VCD bedauert, dass die Ausschreibung nicht zur Umsetzung von Innovationen und modernen Fahrzeugkonzepten genutzt wurde. Da die Strecke Crailsheim – Schwäbisch Hall – Heilbronn mit rund 88 Kilometer Länge bis auf die Lücke zwischen Öhringen und Schwäbisch Hall durchgehend elektrifiziert ist, hält der VCD den langfristigen Einsatz von Dieselfahrzeugen aus klimapolitischen Gründen hier für problematisch. Dies gilt auch für Fahrten zwischen Würzburg und Lauda. Der VCD hat mehrfach vorgeschlagen, auf der Hohenlohebahn moderne Hybrid-Fahrzeuge mit kombiniertem Elektro-Diesel-Antrieb einzusetzen. Mit solchen bimodalen Zügen könnte dann auch von Heilbronn Hbf direkt weiter ins Zabergäu gefahren und somit die Zabergäubahn als moderne Stadtbahn Süd kostengünstig reaktiviert werden. (mgr)

Update: Die Heilbronner Stimme berichtet über Details zu den Fahrplan-Verbesserungen ab 2019. Zwischen Hessental, Öhringen und Heilbronn gilt der Stundentakt von Montag bis Freitag bis etwa 20 Uhr. Die Züge halten neu auch in Obersulm-Willsbach und werktags in Wackershofen. Gegen 22 Uhr ist eine zusätzliche Fahrt ab/bis Heilbronn im Plan. Von Hessental bis Öhringen gilt der Stundentakt bis nach 22 Uhr. Letzte Abfahrt ab Hessental ist um 22.03 Uhr statt 21.06 Uhr, letzte Abfahrten ab Öhringen statt heute 22.04 Uhr neu um 22.27 Uhr (mit Anschluss von Heilbronn, ab 22.06 Uhr) und 23.58 Uhr (Anschluss von Heilbronn, ab 23.15 Uhr).

Unterschriftenaktion gegen Zugausfälle

Die Bürgerinitiative 780 Frankenbahn hat inzwischen annähernd 2.000 Unterschriften gegen die ständigen Zugausfälle und Verspätungen auf der Bahnstrecke von Stuttgart über Heilbronn nach Würzburg gesammelt. Die Unterzeichner protestieren gegen die aktuellen Zustände im Bahnverkehr seit Inkrafttreten des Übergangsvertrages bis 2019 am 1. Oktober 2016. Auf der Strecke Würzburg – Heilbronn hätten zahlreiche Züge Verspätung oder fielen ganz aus, ohne dass die Fahrgäste ausreichend informiert werden, sagte Hans-Martin Sauter, VCD-Vorstand und Sprecher der Bürgerinitiative BI780 Frankenbahn dem Südwestrundfunk (SWR). „Große Probleme bereiten der Deutschen Bahn die Fahrzeuge aus anderen Bundesländern. Die hängt sie an hiesige Lokomotiven und merkt, dass die Türschließsoftware nicht funktioniert. Wenn hier Züge fahren und Türen kaputt sind und hunderte Personen ein- oder aussteigen müssen, führt das zu einem Chaos und zu einer Verspätung, die sich weiterzieht.“ Klagen höre die Bürgerinitiative ebenfalls von Seiten der Schulen: Viele Schüler würden es wegen der Frankenbahn nicht pünktlich zum Unterricht schaffen.

Info-Abend zum Bahn-Chaos mit MdL Daniel Renkonen

Info-Abend zum Bahn-Chaos mit MdL Daniel Renkonen

Dem Thema widmet sich auch ein Informationsabend des Grünen Landtagsabgeordneten Daniel Renkonen unter dem Motto: „Zugausfälle – Wie geht es weiter mit der Bahn?“ am Donnerstag, den 1. Dezember 2016 um 19:30 Uhr in der Kelter, Besigheim. Am Informationsabend teilnehmen werden Gerd Hickmann (Leiter der Abteilung Öffentlicher Verkehr beim Verkehrsministerium BW) und Birgit Schneider (Pendlerin und Mitglied des Bündnisses Mensch und Umwelt Besigheim). Auch die Deutsche Bahn, aktuell Betreiber der Regionalzüge auf der Frankenbahn, wird mit Markus Stoll (Teilnetzmanager) und Karl-Eugen Stier (Produktion & Technik) vertreten sein. Die Besucher haben nach einer kurzen Einführung die Möglichkeit, den Podiumsgästen Fragen zu stellen.
Auch die Heilbronner Stimme hat sich des Themas Frankenbahn-Chaos angenommen. Eine Pendler-Serie stellt Menschen vor, die täglich zwischen Heilbronn und Stuttgart verkehren – sei es via Bahn oder Auto. Es wird geschildert, vor welchen individuellen Problemen sie stehen und welche Veränderungen sie sich wünschen würden. Wer mitmachen möchte, bitte bei Stimme-Redakteur Adrian Hoffmann melden: adrian.hoffmann@stimme.de; Telefon 07131/615599
(mgr)

Frankenbahn-Chaos: DB Regio weiß offenbar nicht, wie Türen oder Kupplungen funktionieren

Mit dem Beginn der Übergangsverträge im SPNV in Baden-Württemberg zum 1. Oktober 2016 sollte eigentlich alles besser werden: Das Unternehmen DB Regio, das alle diesbezüglichen Ausschreibungen gewonnen hatte, sagte vor allem modernere Züge und einen besseren Service zu. Stattdessen müssen Fahrgäste aber seit Wochen eine massive Verschlechterung bei der Betriebsqualität im Regionalverkehr erleben, insbesondere auch auf der Frankenbahn von Stuttgart über Heilbronn nach Würzburg. Verspätungen, zu wenig Wagen und ganze Zugausfälle sind die Regel. Das Land sieht vor allem auf der Remsbahn und der Frankenbahn akuten Handlungsbedarf. Das Landesverkehrsministerium und die verantwortliche DB Regio haben sich nun auf einen Maßnahmenkatalog zur raschen Qualitätsverbesserung geeinigt. Wie das Verkehrsministerium und die Deutsche Bahn am Mittwoch in Stuttgart in einer Pressemitteilung mitteilten, wird die DB Regio AG kurzfristig zusätzliche Zugbegleiter und Triebfahrzeugführer als flexible „Springer“ einsetzen, um im Falle von Türstörungen den Technikausfall kompensieren zu können. Zudem sicherte die DB bei dem Treffen am Dienstag zu, das Zugbildungskonzept so zu ändern, dass es zu weniger störungsanfälligen Kuppelvorgänge kommt.
Der ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD) Baden-Württemberg begrüßt in einer Pressemitteilung die Maßnahmen und das konsequente Handeln des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg. „Ein zuverlässiger und pünktlicher Regionalverkehr sollte eigentlich selbstverständlich sein und nicht erst unter Androhung von finanziellen Vertragsstrafen und „Nachsitzen“ bei den Verantwortlichen der Deutschen Bahn (DB) AG eingefordert werden müssen“, sagt VCD-Landesvorsitzender Matthias Lieb. Auch wenn objektiv betrachtet, Anlaufschwierigkeiten beim Wechsel des Vertrages und des Einsatzes anderer Zugeinheiten nicht auszuschließen seien, sei damit das derzeitige Ausmaß an Verspätungen und Zugausfällen im Regionalverkehr auf den Strecken rund um Stuttgart nicht plausibel zu erklären, so Lieb. Schließlich habe ja der Betreiber nicht gewechselt, sondern sei vorher und nachher auf allen Strecken unverändert DB Regio. „Gerade im Ballungsraum Stuttgart mit der hohen Luftbelastung insbesondere durch den Individualverkehr, wo aufgrund des aktuellen Feinstaubalarms zum Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel aufgerufen wird, ist eine solche Negativ-Entwicklung im Schienennahverkehr ein absolutes Fiasko“, erklärt Matthias Lieb.
Verkehrsminister Winfried Hermann, MdL sagte zum anhaltenden Bahnchaos: „Wir erwarten von der DB, dass sie die Leistungen vollständig erbringt, die wir als Land bestellen und bezahlen.“ Zu diesem Zweck werden Land und DB Regio neben den täglichen Telefonkonferenzen mit der NVBW das gemeinsame Qualitätsmonitoring im wöchentlichen Rhythmus fortsetzen bis die Schwierigkeiten abgestellt sind. Im Rahmen des Gesprächs sagte die DB Regio darüber hinaus zu, auf die Stammkunden der am stärksten betroffenen Relationen mit dem Angebot einer unbürokratischen Kompensation zuzugehen. David Weltzien, Vorsitzender der Regionalleitung Baden-Württemberg der DB Regio AG, entschuldigte sich bei den betroffenen Fahrgästen und sagte zu, schnelle Lösungen und Verbesserungen zu erreichen, die sich kurzfristig auch auszahlen werden.
Die Hauptursachen für Verspätungen, Minderkapazitäten und Zugausfälle in den vergangenen drei Wochen lagen laut Deutsche Bahn in den Bereichen Fahrzeugtechnik und krankheitsbedingte Personalengpässe. So bereiten insbesondere die erst zum 1. Oktober 2016 aus anderen Teilen Deutschlands eingetroffenen neuen Zugkonfigurationen unerwartete Schwierigkeiten beim Kuppeln und beim Türschließmechanismus. Trotz umfangreicher Schulungen der Mitarbeiter fehlte es infolge der kurzfristigen Bereitstellung der Fahrzeuge, die bis zum 30. September in anderen Netzen im Regelbetrieb gebunden waren, an praktischen Erfahrungen mit den jeweiligen Zugkompositionen sowie einem einheitlichen Standard bezüglich ihres technischen Zustands. (mgr)

VCD Podiumsdiskussion am 14.6.16: E-Mobilität im Nahverkehr

Hohenlohe Elektrobus zur LaGa

Hohenloher Elektrobus zur LaGa Öhringen

Durch den Beschluss der Bundesregierung, die Anschaffung von Elektroautos direkt zu unterstützen, ist die E-Mobilität wieder ins öffentliche Blickfeld geraten. Viele Experten kritisieren diese direkten Subventionen jedoch. Die Allianz pro Schiene etwa bewertet das milliardenschwere Förderpaket als „einseitig straßenlastig, nutzlos für die Umwelt und teuer für den Steuerzahler“. So wie der Bund das Thema anpacke, gerate die Förderung von Elektromobilität zur reinen Straßenbeihilfe. Denn der Bereich, in dem Elektromobilität bereits heute problemlos umsetzbar ist, spielt in der öffentlichen Diskussion fast gar keine Rolle: Der Nahverkehr. In den letzten Jahren hat die Anzahl der Elektro-Fahrräder stark zugenommen, ohne dass die Politik und die Verkehrsplanung darauf reagiert hätten. Denn inzwischen ist auch in unserer hügeligen Gegend das Fahrrad als Verkehrsmittel immer wichtiger geworden. Auch ein anderer Bereich wird viel zu wenig beachtet: Der Busverkehr mit Elektrobussen. Dabei sitzt der Marktführer der Antriebstechnik in diesem Bereich in der Region. Und endlich wurden zur Landesgartenschau in Öhringen die ersten E-Busse in Betrieb genommen. Über diese Themen sprechen bei der vom VCD Hall-Heilbronn-Hohenlohe und der VHS Schwäbisch Hall veranstalteten Podiumsdiskussion zum Thema „Elektromobilität im Nahverkehr“ am 14. Juni 2016 um 20 Uhr in der VHS in Schwäbisch Hall, Salinenstraße 10:
Ralf Arnold, Geschäftsführer der Abteilung „Automotive“ der Firma Ziehl-Abegg
Ingrid Kühnel, Geschäftsführerin des Kreisverkehr Schwäbisch Hall
Dieter Wolfarth, Sprecher der Kreisverbandes des ADFC
Der VCD HHH lädt alle Mitglieder und Interessierte recht herzlich ein!